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NVA Drillichuniformen 1956-1979

In guter deutscher Militärtradition übernahm die NVA, die schon aus Reichswehr und Wehrmachtszeiten, bekannten Drillichuniformen. Im Laufe der Jahre veränderten sich diese aber drastisch im Schnitt und vor allem in der Qualität.
Von 1956 bis ca. Ende 1979 wurden diese Uniformteile von Soldaten und Unteroffizieren zur Ausbildung und zum Dienst unter Garnisonsbedingungen getragen.

Auch bei der Armeerundschau
konnte man heroische Porträts machen.
Die Aufnahme zeigt aber 
auch sehr schön ,einmal in Farbe,
die Drillichuniform dieser Epoche.

Produktionsepochen

Bei den Sommerdienstuniformen (Drillichjacken) kann man fünf grundsätzliche Produktionsepochen (Grundformen/Grundschnitte) feststellen.

ZeitraumMerkmale der Jacken
1.Form
1956 - 1958
mausgrauer, derber, sackartiger Leinenstoff,
leichtes Grätenmuster im Gewebe erkennbar,
2 Brusttaschen, 5 Knöpfe für Jackenverschluss ( bis 1965),
Innentasche rechts unten, Aufnahme für Koppelhaken,
Metallknöpfe meist komplett silber, keine Größenetiketten im Kragen,
im Stempel noch Angabe der Herstellung mit Quartal & Jahr,
Stempelung  noch mit allgemeiner Angabe -DDR-,
ab Mitte 1958 erste Jacken  mit Angabe -NVA-
2.Form
1959 - 1962
sandfarbener bis gelblicher, derber Stoff, Grätenmuster deutlich, 2 Brusttaschen, Innentasche rechts unten, Aufnahme für Koppelhaken,
graue Knöpfe überwiegend Plaste oder Metall getaucht,
Größenetikett kleine Form,
meist rote Schrift (auch handgestempelt belegt) im Kragen,
Angaben im zivilen Größensystem
z.B. Gr.50, Bauchgrößen aber auch  irreführend mal in zivil z.B. Gr.27 =XL m. Bauch oder Gr.55 =  Gr.54-1,
nur Jahresangabe zur Herstellung im Stempel 
3.Form
1963 - 1965
"Flachsepoche"
deutlich dünnerer Stoff zu den vorherigen Jahrgängen,
grünlich bis sandfarbener Farbton, "Gräte" nur noch schwach im Gewebe,
2 Brustaschen, kleine Innentasche rechts unten, Aufnahme für Koppelhaken, durchgängig graue Plasteknöpfe, kleine Größenetiketten im Kragen,
nun überwiegend blaue Schrift, Jahrgangsstempel meist ohne Quartalsangabe
4.Form
1965 - ca. 1978
Wechsel zur Viertaschenform ( 4 aufgesetzte Fronttaschen),
Stoff wieder etwas dicker als Vorgänger aber deutlich dünner als Modelle bis 1962, Farbton bis Produktionsende in steingrau,
Wegfall der Innentasche und Koppelhakenaufnahme,
4 Knöpfe für Jackenverschluss, alle Knöpfe Plastik,
ab 1968 Größenetiketten in der großen Langform mit Buchstaben für Größe & Ziffern für Umfang wie sonstige Uniformen,
Herstellungsquartal nun wieder zur Jahreszahl gestempelt
5.Form
ca. 1975 - 1979
Olivefarben bis dunkelgrün, sehr leichter Stoff im Tropenstil,
überwiegend wieder Metallknöpfe silber,Jacke mit 4 Taschen außen wie Vorgänger, Innentaschen entweder aus Seidenfutter oder Tuch,
Uniform wurde überwiegend in Stäben von Mannschaftsdienstgraden im Ordonnanzdienst/ Innendienst, sowie als Schuluniform Sommer z.B. an den OHS verwendet.
Kraftfahrer in Stäben z.B. Strausberg verwendeten die Uniform in den Sommermonaten.
Belegte Verwendung bei der NVA, Grenztruppen, MdI und dem MfS. 


Farbvergleich

Hier zum Farbvergleich 4 Jacken der Jahrgänge 1959,1960,1962 und 1967. Besonders interessant sind die beiden Jacken in der Mitte von 1960 und 1962 mit den "getarnten" Effekten. Dieser Versuch lief bei der NVA von 1959 bis 1964. Kragenspiegel für Mannschaften sind schon rar,  effektierte Kragenlitze ist aber "Goldstaub"! 

Juli/August 1976- über Wochen erreichten die Tageshöchsttemperaturen bis zu 38°. Als "Europas große Dürre"  ging dieser Sommer in die  Wettergeschichte ein. Da es zu damaliger Zeit keine Klimaanlagen in  Gebäuden, geschweige in Fahrzeugen gab, waren derartige Temperaturen  schwer zu ertragen und hatten natürlich Auswirkungen auf die  Leistungsfähigkeit der Menschen, halt auch auf tausende Soldaten. Dies  war die "Geburtsstunde" der hier dargestellten Uniform. Noch im Jahr  1976 begann die Truppenerprobung. 1977 erfolgte eine umfassende  Ausstattung für die vorgesehenen Verbände. Eigentlich müsste  man sie als Sonderbekleidung extra einstufen, da die NVA aber den Namen  Sommerdienstuniform und den Schnitt vom Vorgängermodell übernommen hat,  möchten wir sie hier als 5. Form vorstellen. Das Material der Uniform  ist ein sehr leichtes Dederon- Mischgewebe, ähnlich einer Tropen-oder  Safarijacke. Da für die Masse der Soldaten bereits ausreichende  Sommer-Tarnbekleidung in leichter Dederon Ausführung zur Ausbildung zur  Verfügung stand, sollte diese Uniform vorrangig nur für präsentierende  Zwecke Verwendung finden. Dazu zählte man Kraftfahrer in höheren Stäben, Ordonnanzen, Sanitätseinheiten etc. sowie auch die Schüler an  Offiziers-& Fähnrichschulen.

Links zwei Jacken des gleichen Jahrganges 1977. Links Unteroffizier der NVA  Panzer mit Stempelung NVA. Daneben rechts interessante Jacke des MfS,  aber benäht mit Effekten der Grenztruppen. Dies ist nicht ungewöhnlich.  Einerseits trugen die MfS Angehörigen der Verwaltung 2000 bei der NVA  und den Grenztruppen zur Tarnung Uniformen der jeweiligen Waffengattung, andererseits trugen die als Grenztruppenangehörige legendierten MfS  Angehörigen der PKE ebenfalls Uniformen der Grenztruppen. 

Oben links zum Vergleich die Ärmel einer NVA Jacke (links) und einer MfS  Jacke mit Öffnung (rechts). Im Bild rechts ein Vergleich des Stoffes  einer Jacke der 4. Form von 1967 (links) , daneben Jacke 5.  Form von 1977 (rechts).

Oben zum Vergleich das Innenfutter von 3 Hosen . Man sieht das die  einzelnen Besteller (NVA, MfS, MdI) scheinbar Wert auf unterschiedliche  Stoffe für die Innentaschen legten. Andererseits musste jeder  Auftraggeber mit seinem Budget auskommen und legte daher verschiedene  Schwerpunkte fest. Vom Grundstoff und Schnitt sind die Hosen äußerlich  nicht zu unterscheiden. 

Bei den NVA und MfS Hosen wurde das gleiche Bundmaterial verwendet (Bild  unten). Bei den MdI Hosen ähnelt das Material dem Bund in VP -  Offiziersstiefelhosen.

Das Tragen von Auszeichnungen an den Sommerdienstuniformen der 1.bis 4.  Form halten wir für recht unwahrscheinlich, von spontanen Ausnahmen  wie getauschte Abzeichen der Sowjetarmee oder von Manövern mal abgesehen. Bei der 5. Form halten wir es für sehr realistisch, da die  Uniform eine andere Funktion und Verwendung hatte. Insbesondere als  Kraftfahrer von höheren Offizieren und Generalen eingesetzte UAZ oder BU werden sicher nicht auf ein bisschen "Lametta" verzichtet haben, genoss man dadurch doch einige Privilegien z.B. in der MHO.





Bilder oberhalb zeigen Jacken der Jahrgänge
1959 und 2x 1963. 
Links im Bild sieht man an der oberen Jacke 
eine seltene Formvariante der Kragenlitze. 
Die Jacke hat keine Stempelung für den Auftraggeber und das  Produktionsjahr. Sie hat auch die eher seltenen "getarnten"  Metallknöpfe. Material und Schnitt entsprechen Modellen der NVA von  1959. Unten links Beispiele für 
Stempelungen und daneben zur Ansicht
Stoff und Farbwechsel der Jacken 
von 1956,1959,1963 & 1967 !



Links im Bild die bei 
Jacken bis ca.1964
übliche Innentasche
unterhalb der rechten 
Knopfleiste. 
Bei den Jacken  
ab 1965 entfiel diese
Tasche (ganz rechts)












Belegt ist die Trageweise des FDJ Abzeichens "Wir dienen länger" in der Zeit  von 1961-64 an der Drillichjacke im Dienst. Dieses Abzeichen war eine  "Botschaft" und stellte symbolisch einen Stern oder Balken auf der  Schulter mehr dar. Hatten doch die Träger ihre verpflichtete Dienstzeit  bereits abgeleistet und blieben aus Klassenbewusstsein länger bei der  Truppe zu den Zeiten des Mauerbaus und der Kubakrise. Vielen Dank nach Görlitz für die freundliche Fotoleihgabe !




Auch dieses Abzeichen fand sich auf den Uniformen der KVP, Volkspolzei und  frühen NVA wieder. Im Spätsommer 1952 begann der sogenannte " Dienst für Deutschland". Nach nur 7 Monaten war dann auch schon wieder Schluß mit  diesem sozialistischen "Arbeitsdienst". Von diesem Abzeichen wurden 1953 nur einmalig ca. 1300/1400 Stück an die ausscheidenden Teilnehmer der  Aktion ausgegeben. Viele der Jugendlichen wurden von den bewaffneten  Organen angeworben und etliche machten dann auch Karriere in der DDR.  Zum Schaden in der Kaderakte war die Dienstzeit  also nicht. Mit  Stolz trugen daher viele das hier abgebildete Abzeichen an ihren  Uniformen in den 50ziger Jahren. Getragen wurde es auf dem Aufschlag der rechten Brusttasche.



Eine sehenswerte Kurzreportage (7min.) zum "Dienst für Deutschland" können  sie beim NDR in der Mediathek ansehen.  Honeckers Fiasko: Der  gescheiterte "Dienst für Deutschland".



Packzettel der Industrie mit der NVA internen korrekten Bezeichnung der Uniformart als Sommerdienstuniform. Es wurden von der Industrie immer 5 Uniformen  (Jacke + Hose) in einer Größe an die bestellende Dienststelle des  jeweiligen Ministeriums ausgeliefert. An zwei noch original verschnürten Paketen mit kleinen Größen fanden wir diese Begleitzettel. Links an  Uniformen der 60ziger , unten der 70ziger Jahre. 

Links  Packzettel für Uniformen der 5. Form. Bestellt wurden B/A für die NVA  von der Außenstelle des MfNV Strausberg in Berlin, Schnellerstrasse. Die Abteilungsleiter und zugleich Einkäufer dort, waren fast alle  Zivilangestellte mit einer entsprechenden Ausbildung in der  Bekleidungsindustrie. Sie verhandelten und vergaben die Aufträge und  überwachten die Einhaltung der Qualität bis in die Produktionsstandorte.

Das Foto links ist in seiner Qualität nicht das beste, aber für eine  wichtige Aussage ist es von Interesse und Bedeutung. Es belegt, dass die Drillichuniform nicht nur von Mannschaften(Soldaten und UAZ) getragen  wurde, sondern wie hier zu sehen an den Ärmelstreifen eines  Hauptfeldwebels, auch von Berufsunteroffizieren. Die Spiegel scheinen  effektiert zu sein, sonst würden sie sicher auch stärker mit dem  Silberfaden hervortreten. 



Unteroffizier der NVA in Sommerdienstuniform mit effektierten Kragenspiegel und  Kragenlitze.   In der Zeit von 1959 bis 1964 testete man bei  der NVA und den Grenztruppen eine neue Art von getarnten Effekten und  Uniformen. Da in den Sommermonaten die  Sommerdienstuniform/Drillichuniform nicht nur zur Ausbildung und  Dienstverrichtung im Objekt als Standartbekleidung genutzt wurde,  sondern auch gern beim Wachdienst bzw. Grenzdienst Verwendung fand,  wurde auch diese Uniformart natürlich mit den neuen Effekten versehen.  Besonders selten sieht man auf Jacken die Kragenlitze. Für die  Trageweise der Spiegel in dieser Form finden sich in NVA Bildbänden  etliche Bildbelege. Die Uniform ist in der Gr.98 ( entspricht ca. sg48)  von 1962. Zubehör (Käppi, Koppel, Tragegestell) epochal passend  inklusive- siehe Fotos .



Stempelung Uniform Stabsgefreiter

Stabsgefreiter mit effektierter Sommerdienstuniformjacke von 1960 in der Gr.56 ,  Kleinteile epochal passend (Käppi in Trageform ab Ende 1961 mit DDR  Emblem, Koppel 1. Form, genäht und Tragegestell) inklusive.






Feldwebel der Luftstreitkräfte 
im medizinischen Dienst 
Das älteste uns vorliegende Belegstück 
ist eine Jacke in der GR.54 von 1956. 
Der Stoff dieses Stückes ist deutlich 
derber, leinenartig und auch schwerer als 
anderen späteren Modelle. ( Siehe auch Farbaufnahme Armeerundschau weiter oben) Die Stempelung 
ist noch erkennbar -DDR-. Nach unserer 
Erkenntnis wechselte die Stempelung 
zu -NVA- ca. Ende 1958. 
Der Feldwebel trägt die nur bis ca.1958
gültigen Schulterstücken für 
Mannschaftsdienstgrade des med.Dienstes.
Auch das Tragen des goldfarbenen KVP Koppelschloß
war bis zur Auflösung der KVP zum 01.12.1956
nicht unüblich, zeigte es doch den "Glatten"
gleich wer hier der "Alte" ist.

Links die Stempelung mit DDR und noch der Quartalsangabe im Fertigungsjahrgangsstempel.



Offiziersschüler Landstreitkräfte 1958 (unten)Die unten dargestellte Jacke ist ohne Effekten benäht. Bis 1978 trugen die  Offiziersschüler der LASK /LSK an ihren Dienst-& Ausgangsuniformen  eigentlich die Kragenlitze wie Unteroffiziere. Aber Fotos belegen auch  diese Trageweise ohne Kragenspiegel und Litze. 






Unteroffizier der NVA Luftstreitkräfte 1962/63Angebot bestehend aus Jacke Gr.48 von 1963, Schirmütze Gr.59 von 1962,  Lederkoppel, Schulterstücken (Filz) , Kleinteile wie auf Fotos zu  sehen.  








Unteroffizier der NVA Grenztruppen 1963Jacke in Gr.48 von 1963 , Stahlhelm mit Einsatz alt von 1960 ca. Gr.55,Lederkoppel mit Tragegestell , Kleinteile wie Foto!  








NVA Fischgrät-Drillich Unteroffizier der Mot.Schützen ca.1962/63 im Aufzug als Objektwache.  Durch ihr Webmuster im Stoff, welches einer Fischgräte ähnelt, erhielten die für die Geländeausbildung und Innendienst gedachten Uniformen ihren Namen. Im Zustand "kammerfrisch" sind diese Stücke inzwischen sehr  selten geworden. Nach kurzer Zeit waren die Teile durch das häufige,  fast tägliche Waschen sehr ausgeblichen und fast weiß. Dadurch konnte  man schon von weitem erkennen, ob der Genosse "frisch" ist oder  "altgedient" . Unser Uffz.trägt ein Käppi von 1963, das  Gewebe-Tragegestell in der 1. Form und das Ursprungs Seitengewehr zur  AK47. Sonstige Teile alles Original-siehe Fotos! 






Wie bereits an anderer Stelle schon ausgeführt, könnte man allein über die  Stempelungen in B/A der bewaffneten Formationen der DDR eine gewaltige  Abhandlung in mehreren Bänden verfassen. Hier einmal vier Stempelungen  in Käppis der NVA. Oben von 1965 & 1966, unten links von 1971 und  ganz rechts aus den 80zigern. In der DDR wurde sonst alles  standardisiert und in eine DIN Norm gepresst, nur bei den Stempelungen  überließen es die Abnahmestellen der NVA der liefernden Industrie ihre  eigenen Vorstellungen umzusetzen.





Feldwebel der NVA Pioniertruppen Uniformjacke  in der Größe 46 von 1959 ( Stempelung in der Jacke hochkant) mit  Tragegestell (1. Form mit einem Ring) und Koppel der 2. Form. 






Links ein schönes Belegfoto dafür,
dass man es mit dem Tragen von unterschiedlich gefärbten Uniformteilen in der Truppe 
sehr pragmatisch
nahm. Die Jacke des Unteroffiziers links (könnte auch Wachtmeister des  MdI sein!) , sticht schon deutlich von der hellen Hose ab.

NVA-Fischgrät Drillich 1960/1963 
Soldat der Pioniertruppen auf "Transport" ca.1963. An Soldaten in so  genannten "Nichtlinieneinheiten", wie rückwärtigen Verbänden und  auch den Luftstreitkräften, wurde noch bis Ende der 60-ziger Jahre  anstelle von Sturmgepäck der schon in diesem Stil bei der  Wehrmacht gefertigte Rucksack ausgegeben. Unser abgebildetes Stück  ist von 1962. Die Jacke (2-Taschen Rock) in der Gr.56 ist von  1960 in kammerfrischer Qualität. 



In der Zeltbahn von 1963 ist die Wolldecke vorschriftsmäßig eingewickelt.  Der Rucksack mit den angebrachten Utensilien ähnelt insgesamt sehr stark Aufnahmen der Wehrmacht zum Ende des Krieges.


Unsere beiden "Models" oben und unten links präsentieren hier 1965 in  Stahnsdorf die beiden Grundmodelle der NVA Sommerdienstuniform .  Links oben die Viertaschenform, daneben die Zweitaschen Version mit  Koppelhakenaufnahme. Unten rechts 2 Grenzer im Drillich vor dem  Brandenburger Tor. Der Posten vorn in Uniform ohne Kragenspiegel. Ein  schöner Beleg für die scheinbar großzügige Tolerierung der  Uniformordnung durch die Vorgesetzten . Halt das echte Leben.




Mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht im Jahre 1961 begann die  komplette Erfassung aller für den Wehrdienst tauglichen Männer. In den  60ziger Jahren unternahm die NVA große Anstrengungen ihren  Reservistenbestand auszubauen. Auch bisher weder in der Wehrmacht oder  KVP ausgebildete ältere Jahrgänge bis zum 40.Lebensjahr wurden in kurzen Ausbildungsabschnitten militärisch "fit" gemacht. Für die Teilnehmer  oft eine körperliche Strapaze und Zumutung.

Feldwebel 
der NVA- Pioniertruppen                        Unser Feldwebel trägt hier eine  Uniformjacke in der 4-Taschen Form von 1966. Die Verarbeitung in den  Details der Jacke ist deutlich einfacher gehalten. Auch hat sich der  verwendete Stoff verändert. Er ist weicher und dünner und auch die  "Fischgräte" im Webmuster ist kaum noch sichtbar. Eigentlich müsste er  um 1966 herum noch die Schirmmütze lt. DVO tragen, aber gerade im Sommer war das Käppi angenehmer.


Unser Feldwebel trägt das Tragegestell und Koppel der 1. Form von ca.1956/57. Er scheint schon eine Weile dabei zu sein, denn er hat auch noch auf  den Schulterstücken die großen silbernen "Wachtmeister" Sterne  ("Eisberge") aus den 50ziger Jahren. Sie wurden zwar in der Regel  meist etwas weiter zur Mitte auf den Schulterklappen getragen ,  aber was war zu dieser Zeit schon einheitlich. Die großen Sterne  waren ein aus KVP-Zeiten gedultetes Zeichen  für  "Altgedient" ! 



Eine selten zu sehende NVA Magazintasche hat unser Feldwebel zur  "Vorführung" vor angehenden MG-Schützen angelegt. Die NVA ließ die Teile unter der Bezeichnung -Trommeltaschen- fertigen. Es passen entweder 4  Trommelmagazine der MPI PPsh 41 oder zwei der MG DGP bzw. AK rein. Die Strichtarn Version wurde belegbar in den Jahren 1966 bis  1968 jährlich in Auftrag gegeben. Unten die erste Version in Flächentarn ohne Stempelung. Der Schütze konnte durch die Form und Lage der  Taschenöffnungen allein nachladen.





Bisher sind uns in Punkto DDR Gewebe-Tragegestelle fünf grundlegende  Versionen (von Farbabweichungen abgesehen) bekannt. Die beiden  Linken benötigen noch die Gürtelschlaufen zur Verbindung mit dem Koppel, wie beim Ledermodell gewohnt. Der Unterschied liegt in der Aufnahme zum Befestigen des Flächentarn Tornisters. 1x mit Ring ganz links, daneben  mit Karabiner. Die weitere Entwicklung sieht man dann rechts. Die  Aufnahme am Koppel wurde grundsätzlich verändert. Der Unterschied der  beiden Rechten ist dann nur noch der Wechsel des Verbindungsstückes von der Herzform zur Kreisform. Die Gewebekoppel wurden bei allen  bewaffneten Formationen der DDR verwand.



Hier die 5 Dederon Tragegestell Varianten zur Unterscheidung von  hinten.  Für die Versionen der 1.-3. Form (ganz oben und links)  werden zur Befestigung des TG am Koppel noch Schlaufen benötigt. Die  2.Form mit den Karabinern ( oben rechts) wurde für den  Flächentarntornister mit Ringen eingeführt. Mit Einführung des  bekannten Strichtarn Teil1 (es hatte Karabiner an der Tasche) kamen TG  der 3. Form zur Truppe (Bild links).  Bei den Ende der 60ziger eingeführten Versionen (unten) entfielen die Schlaufen und das TG wurde direkt am Koppel befestigt. Die beiden letzten Versionen unterschieden  sich nur noch durch das Verbindungsstück (1x Herzform,1x Kreisform). Bei den TG der 3.-5. Form diente der untere Ring zur Befestigung des Teil1 . Der obere Ring war ursprünglich zur Befestigung der Rolle des  Schutzanzuges gedacht. Zu dessen Befestigung entwickelte man aber eine  andere Methode mit einem Splint direkt am TG.  Bei voller Montur  mit Teil1 ( Erste Tasche+Plane) und Teil2 ( Zweite  Tasche+Wolldecke) wurde es mit dem Platz auf dem Rücken eng, vom Gewicht ganz zu schweigen.





Stabsgefreiter als Postenführer in Sommerdienstuniform  Der Dienstgrad Stabsgefreiter ist bei der NVA und den Grenztruppen sehr sparsam vergeben worden. Er war mehr für den Ernstfall vorgesehen, um  wie bereits bei der Wehrmacht mit Obergefreiten praktiziert,  Ausfälle an Unteroffizieren zu kompensieren. Nur um 1961-63 gab es  mal eine echte befristete "Schwemme". Diese kam durch die FDJ  -Initiative "Wir dienen länger!", begründet in den bekannten Spannungen  (Mauerbau, Kubakrise) dieser Zeit. Viele Soldaten und Unteroffiziere  verpflichteten sich nach Ablauf ihrer eigentlichen Dienstzeit für eine  weitere Zeitspanne. Als Anreiz und Dank natürlich, wurden sie oft  befördert. Durch die Beförderung gab es schließlich auch mehr Sold. Die  grünen Postenführerstreifen wurden im Jahre 1962 eingeführt. Sie wurden  nur von den Dienstgraden Soldat, Gefreiter & Stabsgefreiter  (anfänglich auch kurzzeitig von Unteroffizieren) nach bestandener  Postenführerprüfung getragen. Im Grenzdienst konnte so z.B. auch  ein Soldat als vergatterter Postenführer Vorgesetzter eines Gefreiten  ohne diese Qualifikation sein. Unser Stabsgefreiter trägt das  Tragegestell in der 2. Form mit Karabinern zum korrekten Befestigen des Flächentarntornisters.   



Unten sieht man den typischen Helm M56 der bewaffneten DDR Verbände noch mit dem Ursprungseinsatz aus einem festen Metalleinsatz (Zink). Dieser  Einsatz war im wahrsten Sinne ein Genickbrecher. Viele Unfälle mit  Halswirbelverletzungen und sogar Todesfälle werden dem starren ,  mit dem Helm fest verbundenen Einsatz, der bei Stürzen usw. nicht  nachgab, zugeschrieben. Schon beim Einstieg in einen SPW durch die  Luke als Mot.Schütze konnte man mit dem Helmrand gefährlich  hängenbleiben. Die späteren Plastikeinsätze konnten sich beim  Hängenbleiben oder Stürzen des Trägers sofort von der Glocke lösen.  Unser Helm ist von 1959.





Gurtkoppel von 1962 in der 2. Form mit seltenen gut lesbaren Stempel. Die Angabe  unten-130- bedeutet die Länge des Koppel. Im Zustand -ungetragen-  sind die Koppel recht steif. Erst durch Sonne, Regen und Nutzung wurden  sie weich, bis sie fast wie ein Stoffgewebe wirkten.

Links im Bild der Vergleich der Verschlusshaken zwischen einem Koppel der 1.  und 2. Form. Oben ein gedientes Stück der 2. Form, unten ein Koppel der  1. Form im ungetragenen Zustand. Koppel der 1. Form erkennt man schnell  an der Naht von außen, siehe dazu auch die oberen Bilder z.B.  Pionier-Feldwebel.

Ein schönes Belegfoto 
für das Tragen der 
Drillichjacken 
bis in die 80ziger Jahre
hinein, findet man im
NVA Bildband
"Getreu dem Fahneneid"
von 1981.
Der Unterfeldwebel
im Bild trägt die
Viertaschenversion.
Der Hauptfeldwebel
seiner Einheit 
scheint schon länger
krank zu sein, das
würde die "üppige"
Frisur erklären! 


Bausoldat (Spatensoldat) 1967Auch die Bausoldaten der NVA trugen natürlich die Drillichuniform. Hier eine Jacke von 1-1967 in der Gr. sg52 mit den ab 1965 gültigen Effekten. 



Die im Bild oben links abgebildeten Kragenspiegel mit oliver Kantille  fanden nur von 1965 bis 1969 Verwendung. Die Schulterstücken sind in der 110 er Größe mit oliver Biese.



Die Bausoldaten absolvierten auch alle wesentlichen Elemente der sonst  üblichen Grundausbildung wie für alle Wehrdienstpflichtigen Soldaten  festgelegt. Hierzu zählte auch die Ausbildung an der Truppenschutzmaske. Als Standartausrüstung behielten sie die Teile aber nicht, so wie sie  auch kein Teil1 mit Plane usw. als persönliche Ausrüstung hatten.




Links die TSM Tasche mit Innenfacheinteilung aus Strichtarnmaterial.  Produktion nach 1966. Stempelungen an diesen Taschen sind im Zustand  -Kammerfrisch- fast immer vorhanden, aber so verlaufen, das nie lesbar!


Am 07. 09.1964 verabschiedete die DDR Volkskammer das Gesetz über die  Aufstellung von Baueinheiten ohne Waffen innerhalb der NVA. Einmalig  innerhalb der Armeen des Warschauer Vertrages war es nun jungen Männern  möglich , aus religiösen Gründen einen Wehrdienst ohne Waffenausbildung  abzuleisten. Die Bausoldaten leisteten keinen Fahneneid sondern ein  Gelöbnis. Eigentlich schon damals sehr amüsant ist der §7 des Gesetzes,  dass die Baueinheiten als "Waffenfarbe" oliv zu verwenden haben.  Interessant ist der Umstand den das Gesetz hergibt, dass einerseits auch Bausoldaten zum Reservistendienst erneut einberufen werden konnten und  auch bereits an der Waffe gediente Reservisten zum Dienst in  Baueinheiten eingezogen werden konnten, so den sie nun den Dienst an der Waffe verweigerten.




Feldwebel der
NVA Pioniertruppen
Viertaschenrock
3-1966
Gr.sg48-0 (schlank)
Schulterstücken 
alte Art (Filz)
Geringe Tragespuren
Optisch wie
Kammerstück

Unteroffizier
der NVA Pioniertruppen
Viertaschenrock
2-1974
Gr. m52-0 (schlank)
Schulterstücken
alte Art (Filz)
geringe
Tragespuren,
optisch wie 
Kammerstück

Unterfeldwebel
Nachrichten
4. Quartal 1967
Gr. m48-1
Viertaschenrock
Gedientes Stück
mit Tragespuren
Reparaturstelle 
Rückenpartie
Schulterstücken
alte Art (Filz)
Pappeinlage
erneuert

Unteroffizier Panzertruppen
2. Quartal 1968
Gr. g48-1 (1= mit Bauch)  Viertaschenrock
Ungetragenes
Kammerstück
Schulterstücken
alte Art (Filz)

Unteroffizier Panzertruppen
1. Quartal 1975
Gr. sg 48
Viertaschenrock
Ungetragenes
Kammerstück

Feldwebel Grenztruppen

1. Quartal 1975
Gr. sg 48

Viertaschenrock
Ungetragenes
Kammerstück


Unteroffizier Grenztruppen
1. Quartal 1975
Gr. sg 48

Viertaschenrock
Ungetragenes 
Kammerstück

Unteroffizier Pioniere
2. Quartal 1966
Gr.57 
( entspricht 56-1
 d.h.mit Bauch)
Viertaschenrock
Ungetragenes 
Kammerstück
Spiegel und 
Schulterstücken
alte Art vor 65,
mit Kragenhaken,


Obermeister der Kasernierten Einheiten der Transportpolizei  In den 70ziger Jahren auf acht Standorte in der DDR verteilt, waren  die Kompanien der Kasernierten Einheiten der  Transportpolizei ("Blaubeeren") eine verhältnismäßig kleine  Formation des MdI. Zu den vielfältigen Aufgaben dieser  Einheiten zählten u.a. auch Einsätze bei den sogenannten Staatsfahrten  des Regierungszuges der DDR. Neben der Streckenvorabkontrolle, der  Besetzung von Brücken,Tunneln usw, zählte auch die Bewachung des Umfeld  des Zuges bei Aufenthalten außerhalb Berlins. So auch 1978  beim Besuch des libyschen Revolutionsführers Gaddafi, als dieser mit dem Regierungszug die Offiziershochschule "O.Winzer" in Prora  besuchte. Während der Zug selbst und das nähere Umfeld von  Kräften des MfS bewacht wurde, sicherten Einheiten der Trapo  den  Bahnhofsbereich. Da auch unsaubere Bereiche im Bahnbetriebsbereich  abzusichern waren, trugen die eingeteilten Kräfte oft die  Sommerdienstuniform. Unser Obermeister ist eingesetzt als Diensthabender der Wachmannschaft im Begleitkommando der Transportpolizei und trägt  die Sommerdienstuniformjacke. Jacke 1-S (1975) Gr.k56,  Käppi Gr.58 (1968) ,Koppel 110cm, Pistolentasche M, Trillerpfeife  & Effekten. Alle Teile in Kammerqualität und MdI gestempelt! 





Polizei-Meister (Ausbilder)der Kasernierten Einheiten des  MdI                  Obwohl auch bei der Bepo der Strichtarn FDA ab ca.1970 fast  durchgängig Standartbekleidung der Truppe war , wurde gerade  in heißen Sommern der Drillich als eine angenehme und beliebte Uniform noch (auf)getragen. Gerade ehem. NVA- BU, die zur Polizei  gewechselt sind, trugen den Drillich bewusst wie gewohnt mit allen  Effekten. In diversen DDR Publikationen (z.B. Bildbänden über  die NVA & Polizei) sieht man die Teile bis Ende der 70ziger  Jahre in Benutzung. Unser Arrangement zeigt einen Meister im Aufzug als Ausbilder für Polizei-Taktikübungen auf dem Garnisonsübungsplatz.  Jacke Gr.sg52 4-A (1977), Käppi Gr.57, Koppel 110cm, Pistolen-&  Kartentasche, Schlagstock m. Halterung. Kleinteile wie Fotos. Alle Teile in Kammerqualität. 





Polizei-Obermeister (GOvD) der Kasernierten Einheiten des MdI (Bepo)  Während an den Sommerdienstuniformjacken der NVA eine einigermaßen  einheitliche Bestückung mit den für einen  Unteroffiziersdienstgrad z.B. üblichen Effekten erfolgte, herrschte gerade in den Formationen des MdI keine wirklich erkennbare  Einheitlichkeit. Stücke die Kragenlitze, Spiegel und passende  Schulterstücken gleichzeitig haben, sind auch in der Literatur und auf  Fotos schwer zu finden. Es kommen auf Fotos alle Varianten der  Tragekombination der möglichen Effekten selbst in einer Einheit  vor. Unser dargestellter Obermeister ist als GOvD vergattert. Zum  Arrangement gehören alle abgebildeten Teile, zusätzlich der 48cm  Gummiknüppel (Bunawurzel) Jacke Gr.k52 von 2-R(1976) Koppel  100cm,Pistolentasche M, Käppi Gr.59 (1973) Trillerpfeife . Alles in  Kammerqualität!