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Das Fallschirm-Pionier-Bataillon 1

(Die Aufstellung des Fallschirm - Pionier-Bataillon 1 im Jahr 1940 in der Flakkaserne Dessau - Kochstedt 1940)

Die Fallschirmtruppe setzte sich nur aus Freiwilligen zusammen. Aus den Vielen, die sich meldeten, wurden die Besten und Tauglichsten eingestellt. Seit Jahren erzogen zu unbedingtem Einsatz für das Vaterland, zu unbedingtem Gehorsam gegenüber ihren Führern, sahen sie in der Meldung zur Fallschirmtruppe die letzte sich bietende Möglichkeit, an den Feind zu kommen. So, wie in der ganzen neuaufgestellten Fallschirmdivision, war es auch im Fallschirm-Pionier-Bataillon in Dessau – Kochstedt.

Von den Pionier-Bataillonen des Heeres  versetzt, kamen ganz junge Soldaten, die gerade ihre Rekrutenausbildung hinter sich hatten, neben alten Dienstgraden, die ihre Feuertaufe bereits im ersten Weltkrieg empfingen. In den ersten Wochen der Neuaufstellung war der gewohnte militärische Rahmen noch in keiner Weise vorhanden. Es fehlte das Stamm- und Ausbildungspersonal. Die wenigen Offiziere und Unteroffiziere waren restlos überfordert mit all den Dingen, die eine Neuaufstellung mit sich bringt. Und es dauerte dann auch eine geraume Zeit, ehe sich die gebotene soziale Ordnung durchsetzte und in etwa mit der sich langsam bildenden militärischen Hierarchie in Einklang kam.

Wie sehr der "Springer" sich dem "Nichtspringer" überlegen fühlte dokumentierte sich außerhalb der Kaserne.

Grundsätzlich wurde nur in Springerbekleidung in die Stadt gegangen. Auf leisen dicken Gummisohlen der Springerstiefel mit grüner Überfallhose und fliegerblauem Rock, der möglichst eng und kurz im Schnitt sein musste, dazu das keck und verwegen auf ein Ohr gedrückte "Schiffchen" – so traten die Springer in Dessau an die Öffentlichkeit.

Der erste Bataillonskommandeur, Hauptmann Jäckel, der vorher lange in Rom als Attaché Dienst getan hatte, war dem Truppendienst doch schon ziemlich fremd geworden und mit seinen 52 Lebensjahren wohl auch etwas zu alt für dieses Kommando. Er war aber ein hervorragender Marschierer und wenn etwas den wilden Haufen kurz halten konnte, dann waren es seine über eine Distanz von 50 und 60 Kilometer gehenden Märsche, die er in einem erstaunlichen Tempo absolvierte. In den wenigen Wochen seines Wirkens war es ihm nicht vergönnt, einen wesentlichen Einfluss auf die Formung  des Fallschirm-Pionier-Bataillons zu nehmen. Sein Nachfolger wurde Hauptmann Morawez.

Nachdem einige Offiziere die Führung des Bataillons abgelehnt hatten, übernahm im Spätherbst 1940 Hauptmann Liebach das Bataillon.

In konzentrierter Form sprach der Offizier über die weiteren Aufgaben.

Das Thema seiner Ausführungen gipfelte immer wieder in einem Wort: Ausbildung, Ausbildung und nochmals Ausbildung. Das war für viele Angehörige dieses Haufens, die sich an den Schlendrian der vergangenen ersten Aufstellungswochen gewöhnt hatten, schon lange nicht mehr gehörte Worte. In der Beurteilung der Lage waren sich alle einig: Es würde heiß hergehen in der nächsten Zeit in Dessau-Kochstedt.

Bereits wenige Wochen nach Beginn des verschärften Dienstes und der pausenlosen Ausbildung begann sich die Spreu vom Weizen zu trennen. Es gab viele Umbesetzungen und Versetzungen zu den ehemaligen Stammtruppenteilen.

All jene die sich nicht einordnen wollten, erfasste man in einem sogenannten "Sonderzug".

Der Zug nahm, von besonders prädestinierten Unterführern geführt, nach einem eigens aufgestellten Ausbildungsplan in hartem Dienst außerhalb der Kompanien, die gesamte Grund- und Einzelausbildung durch. Er war geschlossen untergebracht, stellte seine eigene Wache und führte in jeder Beziehung ein eigenes Dasein. Disziplinar unterstanden die Soldaten aber weiterhin ihren Kompaniechefs.

Kein Angehöriger des Sonderzuges durfte an Einsätzen teilnehmen.

Diese erzieherische Maßnahme tat alsbald ihre Wirkung. Nur noch wenige Soldaten des Zuges mussten das Bataillon verlassen.

Ausbildungsfächer der Fallschirm Pioniere,

Angriff auf befestigte Stellungen ("Tschechenwerk" Pionier-Übungsplatz Dessau-Rosslau )

Aufrollen von Gräben, Flammenwerfer - Einsatz, Sprengausbildung, Minen und Sperrausbildung, Behelfsbrückenbau, Ausbildung am Brückengerät B, Übersetzen mit Schlauchbooten. Zwei Gruppen wurden als Fahrer von Straßenbahnen und zum Schiffsführer ausgebildet.

Alle Übungen im Gelände wurden grundsätzlich sehr realistisch und wirkungsnah gestaltet. Die angreifenden Gruppen und Züge wurden von Maschinengewehrfeuer überschossen. Das unheimliche Geschwirre und Gepfeife dicht über den Köpfen der Pioniere bewirkte ein mustergültiges und sehr "erdnahes" Heranarbeiten an die feindlichen Stellungen.

Der Einsatz Fort Eben Emael, (auszugsweise)

Angriff mit Lastenseglern auf das belgische Fort. Es galt bis dahin als uneinnehmbar.

10. Mai 1940, Pionierzug - 85 Männer, 6 gefallen, 15 verwundet.

Das Fort kapitulierte am 11.Mai 1940

Offiziere die angeführt haben: Oberleutnant Meißner, Hauptmann Witzig, Major Koch.

Gruppe Wenzel, - Polzin, Schmidt, Wenzel, Bräutigam, Engelmann.

Pionierzug Witzig

Auf der Landseite stürmten u.a. Pioniere aus Dessau – Rosslau, Oberfeldwebel Portsteffen

erhielt dafür als Sturmtruppführer das Ritterkreuz. Sein Kommandeur, Oberstleutnant Mikosch, Pionier-Bataillon 51 wurde gleichfalls mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.

Auf belgischer Seite 23 Tote, 59 Verwundete

Ursache der vielen Toten und Verwundeten waren geballte Ladungen bis zu 100 kg. Angebracht am unteren Ende der etwa 40 Meter tiefen Aufgänge unter den Werken 12, 13 und 19 wo die Verteidiger Barrikaden aus Schienen und Sandsäcken aufgebaut hatten.

Zur Detonation gebracht hatten diese in der Enge der Hohlgänge verheerende Wirkungen.

Die Bataillonsführer bis 1945

Hauptmann Jäckel Juni /August 1940

Hauptmann Morawez, September 1940

Major Liebach September 1940 bis Mai 1943

Hauptmann Steiner, Mai 1943 bis März 1944

Hauptmann Adolff, Sizilieneinsatz 1943, gefallen 17.07.1943

Major Frömming, März 1944 bis März 1945

Hauptmann Jacobeit, bis zur Kapitulation

Verlustübersicht Offiziere des Bataillons, Zeitraum 1941 - 1945:

gefallen 16 Offiziere

verwundet 17 Offiziere

vermißt 7 Offiziere

Verlustübersicht Unteroffiziere/Mannschaften 1941 - 1945:

gefallen 446

verwundet 939

vermißt 399

Quellenangabe, Heinz Austermann, von Eben Emael bis Edewechter Damm, Fallschirmjäger Fallschirmpioniere, Verlag der Fallschirm –Pioniergemeinschaft Holzminden.

Bearbeiter: Reinhard Gassong