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Von der Sturmabteilung zum Lehrbataillon

Traditionsgeschichte des Pionier-Lehrbataillons 1 (mot.) in Dessau-Roßlau [Sturmbataillon 5 (Rohr)]

Dem im Oktober 1936 aufgestelltem Pionier-Lehrbataillon 1 (mot.) wurde die Pflege der Tradition des Sturmbataillon 5 (Rohr) und des Garde-Reserve-Pionier-Regiments (Totenkopf-Pioniere) übertragen. Damit reicht seine kurze, aber umso ruhmreichere Geschichte zurück bis zum Jahr 1915.

Hauptmann Rohr, der Führer einer Garde-Schützen-Kompanie, wurde im August 1915 vom Führer einer Armeeabteilung in den Bogesen, General Gaede, beauftragt, eine ihm zur Verfügung gestellte Abteilung nach seinen eigenen Fronterfahrungen zur besonderen Verwendung im Angriff auszubilden. Diese kleine Abteilung bestand aus ausgesuchtem Menschenmaterial der Pionier-Ersatzbataillone 3 und 10 und hatte eine Stärke von zwei schwachen Kompanien.

Hauptmann Rohr verwandte seine Zeit nun damit, die ihm anvertraute Truppe mit den damals neu aufkommenden Nahkampfmitteln, vor allem der Handgranaten, aufs sorgfältigste auszubilden. Darüber hinaus war Hauptmann Rohr bestrebt, aus seiner Abteilung einen gemischten Verband aller Waffengattungen zu bilden, mit dem Ziel vorbildlicher Zusammenarbeit. Zu diesem Zweck erbat er sich von seinem Armeeführer nach und nach je ein Zug Maschinengewehre, Mienenwerfer und der eben neu aufkommenden Flammenwerfer der späteren Totenkopfpioniere. Die Bildung einer Batterie mit einem geeigneten Nahkampfgeschütz gelang ihm damals noch nicht. Die praktische Verwendbarkeit wurde in allen Einzelheiten eingehend erprobt.

Bald sollte die neue Abteilung Rohr ihre neuen Angriffsmethoden unter Beweis stellen. Im Herbst 1915 ging die Kuppe des Hartmannsweiler Kopfes verloren. Am 15. Oktober gelang es der erstmalig eingesetzten Abteilung nach eingehender Vorbereitung, in Zusammenarbeit mit dem Reserve-Jäger-Bataillon 8, den Hartmannsweiler Kopf wieder zu gewinnen.

Weitere Angriffe zeigten, dass nur eingehende Ausbildung der Angriffstruppe und genaue Vorbereitung der Angriffstruppe zum Erfolg führen konnte. Diese Vorarbeit wurde dem Hauptmann Rohr übertragen. Es galt, die befestigte Hirtzsteinstellung südlich des Hartmannsweiler Kopfes zu nehmen. Mit dem zur Verfügung gestellten Infanterie-Regiment 189 wurde der gesamte Sturm auf die nachgebildete Hirtzsteinstellung hinter der Front mehrfach vor geübt. Am 10. Januar konnte die Sturmabteilung Rohr einen über Erwarten großen Erfolg mit nur ganz geringen Verlusten in ihrem Kriegstagebuch verzeichnen. Die Abteilung kehrte in ihr Standquartier zurück und erhielt den Auftrag, die Unterführer der Division des Generals Gaede in der Handhabung der von Hauptmann Rohr erprobten Angriffsmethoden zu unterweisen. Damit begann die erste Lehrtätigkeit der Abteilung Rohr. Anfang Februar 1916 wurde die Abteilung zur 5. Armee überführt und nahm an den Angriffsunternehmungen der 6. Infanterie-Division von Azannes über den Herbebois bis zum Fort Douaumont erfolgreich teil.

Um der Infanterie das Misstrauen gegen die ihr in Mengen zugeführten Handgranaten zu nehmen, das die Ursache mancher gescheiterter Unternehmen gewesen war, bildete Hauptmann Rohr auf Befehl der 5. Armee die Divisionen eingehend in der Handhabung und Verwendung im Gefecht und Nahkampf aus und führte allen Führern der Armee das Zusammenwirken aller Waffen im Angriff gegen Stellungen vor. Zu diesem Zwecke wurde ein großes Übungsgelände im Walde südlich von Doncourt angelegt. Auf ihm wurde im weiteren Verlauf des Weltkrieges tausende von Offizieren und Unteroffizieren ausgebildet. Die Oberste Heeresleitung wurde auf diese Abteilung aufmerksam und schickte nach erfolgter Ausbildung der 5. Armee Kurse aus sämtlichen deutschen Armeen zunächst der Westfront, dann der Ostfront und schließlich der österreichischen Armee in die Ausbildung der Sturmabteilung Rohr. Dementsprechend baute Hauptmann Rohr seine Abteilung zu einem starken gemischten Bataillon aus und wurde somit seinem Sturmbataillon zum Lehrmeister der modernen Taktik des gesamten deutschen Heeres bis zum Ende des 1. Weltkrieges.

Das Sturmbataillon 5 (Rohr) gewann immer mehr an Bedeutung. Ende 1916 bestand es aus fünf Sturmkompanien, einer Minenwerfer-Kompanie mit leichten Werfern, zwei Maschinengewehr-Kompanie und einer Batterie mit vier zerlegbaren 10,5-Zentimeter-Gebirgshaubitzen. Die Flammenwerfertrupps waren in die Sturmkompanien eingegliedert und übernahmen neue Erfahrungen auf diesem Gebiet von den Totenkopf-Pionieren, die am 28.Juli 1916 vom Kaiser die höchste Auszeichnung, den Totenkopf auf dem linken Unterarm aller Offiziere und Mannschaften, verliehen bekamen.

Um sein "Lehrbataillon" neben der Lehrtätigkeit auch im kämpferischen Geist und in der Praktischen Anwendung seiner Kampfmethoden auf der Höhe zu halten, setzte Hauptmann Rohr es durch, das seine Truppe von Zeit zu Zeit an der Front zum Einsatz kam. Allein 1916 nahm das Bataillon an etwa 80 der bekanntesten Angriffsunternehmungen teil. Dabei wurden zum ersten Mal auch die Granatwerfer verwendet.

1917 hatte das Bataillon besonderen Anteil an der Wiedereroberung des Chemin des Dames.

Die "Große Schlacht in Frankreich" im Frühjahr 1918 sah seit langer Zeit zum ersten Mal das vollständige Bataillon im Kampf. Nach drei Tagen erfolgreichster Angriffe wurde das Bataillon aus dieser Front herausgezogen und blieb unter seinem inzwischen zum Major beförderten Kommandeur beinahe in dauernder Bewegung. Die Oberste Heeresleitung benötigte das Bataillon als Heeresreserve für die geplanten Offensiven der verschiedenen Armeen. In dauerndem Einsatz nahm das Bataillon ehrenvollen Anteil an der Durchbruchsschlacht bei St. Quentin, an der Erstürmung von Montdidier, an den Erfolgen der Armee von Einem und den verlustreichen Kämpfen in der Champagne.

Die größte Leistung vollbrachte das Bataillon schließlich im Abschnitt des Oberkommando Marwitz, wo es vier Monate lang von Einbruchstelle zu Einbruchstelle gehetzt wurde, um verlorenes Gebiet wiederzuerobern. Die Gegenangriffe kamen aber infolge weiten Anmarsches oft zu spät. Eine Vorbereitung des Gegenstoßes war meist nicht mehr möglich. Daher führte ein Teil der Angriffe zu Misserfolgen. Aus den Stammrollen des Bataillons ist ersichtlich, dass sich das Bataillon im Laufe des Weltkrieges etwa fünfmal erneuert hat.

Nach Verwendung des Bataillons als militärische Bedeckung der Obersten Heeresleitung in Spa im Oktober 1918, führte Major Rohr sein Bataillon, das er trotz der Revolutionserscheinungen bei anderen Truppenteilen fest in der Hand hatte, in die Heimat zurück. Die Säuberung von Verkehrswegen, die durch Plünderer und Meuterer versperrt waren, zeigte den guten deutschen Frontgeist der Truppe bis zu ihrer Auflösung in Schwelm bei Elberfeld. Das kostbare Material wurde befehlsgemäß dem Arbeiter- und Soldatenrat abgegeben. Damit fiel auch diese Truppe, die dem deutschen Heer unschätzbare Dienste geleistet hatte, dem Versailler Vertrag zum Opfer.

Einzug im Übungslager Dessau-Roßlau

Der Geist dieser Elitetruppe aber, ihre Einsatzfreudigkeit und ihr ungestümer Drang nach vorwärts, lebte im Rahmen der neuen Wehrmacht des Dritten Reiches in ihrem Traditionstruppenteil, dem Pionier-Lehrbataillon 1 fort und wurde eifrig gepflegt.

Im Oktober 1936 wurde das Pionier-Lehrbataillon 1 unter seinem Kommandeur, Major Henke, aufgestellt. Als Standort wurde ihm Dessau-Roßlau zugewiesen, wo durch Erwerb von umfangreichem Gelände zugleich ein vorbildlicher Pionier-Übungsplatz entstehen sollte.

Bis dahin allerdings war der Weg damals noch weit. Auch der Bau der Unterkunft des jungen Bataillons, die Kaserne "Sturmbataillon Rohr", war noch nicht begonnen.

Am 6. Oktober 1936 bezogen die Stämme der Kompanie aus Rehagen-Klausdorf, Königsberg (Pr.) und Ulm eine vorläufige Unterkunft im Übungslager Roßlau, das mitten im Forst, entfernt jeder menschlichen Siedlung, lag.

Bei dem Marsch dorthin mag es lange Gesichter gegeben haben angesichts der Unbequemlichkeiten, die im Vergleich zu den schönen alten Garnisonen eingetauscht werden mussten. Aber der Schwung, mit dem gleich zu Beginn der Aufstellung der Dienst angefasst wurde, schaltete solche Gedanken bald aus. Es galt, in wenigen Tagen das aus fast allen Pionierbataillonen und Abgaben auch anderer Waffengattungen zusammengewürfelte Bataillon zusammenzuschweißen, damit es in der ersten Parade vor dem Inspekteur der Pioniere und Festungen, Generalleutnant Förster, bestehen konnte.

Nach dem ersten Appell vor seinem Kommandeur und einer Begrüßung durch den Kommandeur der Pion.-Schule 2, Oberst Thomas, dessen Befehlsbereich das Bataillon unterstellt war, stand am 12. Oktober bereits das junge Bataillon vor seinem Inspekteur. "Ihr sollt die Elite der deutschen Pionierwaffe sein, das Vorbild für alle anderen Pionier-Bataillone und damit die besten Pioniere der Welt".

Riesengroß und vielseitig sind die Aufgaben, die das Bataillon erfüllen sollte. In erster Linie musste das Bataillon, selbst gut ausgebildet, durch Lehrvorführungen gleiche Auffassungen und Anschauungen für den Einsatz der Pioniere und über die Ausbildung an den zahlreichen Waffen und Geräten, für deren Einsatz und Verwendung, sowie für die Führung des Pionierkampfes schaffen. Dazu wurden von der Pionierschule 2 Lehrgänge aller Art abgehalten, zu denen das Bataillon Lehrer und Truppenabstellungen zu geben hatte, oder es liefen beim Bataillon selbst Lehrgänge. Die praktische Erprobung aller Ausbildungsvorschriften für die Pionierwaffe, war eine weitere Aufgabe des Bataillons.

In zweiter Linie hatte das Bataillon die bei der Pionierschule 2 einlaufenden Versuche der Pioniere, die Ausbildungsfragen, Waffen, Gerät und Ausrüstung betreffen, praktisch nach den gegebenen Weisungen zu erproben und darüber zu berichten. Die wichtigste Forderung aber war zunächst, die Verschiedenartigkeit der Ausbildung der Männer aus allen Pionier-Bataillonen und Waffengattungen möglichst schnell auf einen Nenner zu bringen. Die Ausbildung in den Wintermonaten trug dieser Forderung Rechnung und brachte im März 1937 die Anerkennung des Inspekteurs.

Am 20. April 1937 wehte dem Bataillon zum ersten Male die neue Standarte, das Symbol ewiger Treue, voran. Der Kommandeur, Major Henke, hatte sie am Tag zuvor in Berlin aus der Hand von Adolf Hitler empfangen.

Im Laufe der Zeit wechselten in bunter Reihenfolge Lehrgänge, Versuchsübungen vor Truppen und Offizieren der anderen Waffengattungen, vor Offizieren ausländischer Armeen und Übungen zur eigenen Ausbildung des Bataillons mit schönen Erlebnissen in anderen deutschen Gauen.

Im alten Angriffsgeist der Kampfpioniere

Im Juli 1937 trat das Bataillon einen 4-tägigen KFZ-Marsch an, der es über 1000 Kilometer ohne Ruhetag durch Thüringen an die Lahn, über Koblenz an den Rhein, über die steile Höhe des Niederwalddenkmals in die herrliche Gegend der Bergstraße und weiter bis Neuburg a. d. Donau führte. Hier wurden die Kraftfahrzeuge verlassen und die Pontonfähren bestiegen, die die Kompanien unter ständigem Pontonieren über Ingolstadt bis Kehlheim die Donau abwärts trugen. Bei Groß-Mehring zeigte das Bataillon dem Inspekteur einen vorbildlichen Brückenschlag, der die Einheitlichkeit des Bataillons unter Beweis stellte.

Beim Reichsparteitag 1937 bewies das Bataillon dem damaligen Führer und Obersten Befehlshaber Adolf Hitler voll Stolz, dass es den schon länger bestehenden Lehrtruppenteil anderer Waffen zumindest ebenbürtig geworden war.

In dem unmittelbar daran anschließenden Wehrmachtsmanöver in Mecklenburg wurde das Bataillon zu Pionier-Schiedsrichterdiensten eingesetzt. Daher sah man überall von Schwerin bis Greifswald und von Neustrelitz bis Wismar die Angehörigen des Bataillons einzeln oder in kleinen Trupps bei ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit. Zum besonderen Erlebnis wurde die Gegenwart des italienischen Regierungschefs Benito Mussolini. Mit Abschluss des Ausbildungsjahres 1936/37 entließ der Kommandeur mit dem Dank für geleistete Arbeit und dem Wunsche für eine glückliche Zukunft die Zweijährigen in ihre Heimat. Im Laufe des ersten Jahres seines Bestehens, hatte sich das Bataillon in der Pionierwaffe und in der Armee einen Namen gemacht, den es immer bestrebt war, für alle Zeit hochzuhalten.

Der neue Ersatz traf ein. Das zweite Ausbildungsjahr begann. Die Versuche, die zu einem Unmaß anwuchsen, wurden auf die Kompanien gleichmäßig verteilt und den Kompanien für Versuche, Entwicklung und Lehrvorführungen, Spezialgebiete zugewiesen.

Auf einem besonderen Ausbildungsgebiet setzte das Bataillon nun die Tätigkeit des Sturmbataillons Rohr fort. Es galt, den Nahkampf und die Beherrschung der Nahkampfwaffen, besonders der Handgranate zu üben und vor allem den Kampf um befestigte Stellungen zu entwickeln.

Mit Begeisterung und Eifer nahm die mit diesem Gebiet betraute Kompanie die Ausbildung auf, bereits im Oktober 1937 zeigten ihre Stoßtrupps bei einer Gefechtsübung in Jüterbog dem Oberbefehlshaber des Heeres den Angriffsgeist des Kampfpioniers.

Im Frühjahr 1938 konnte das Bataillon in einer Lehrvorführung vor Generalen und Stabsoffizieren der Pionierwaffe zeigen, dass es als Lehrtruppe der Pionierwaffe den hochgestellten Anforderungen entspricht. Diese Leistung, die unermüdliche Arbeit und Einsatz jedes Einzelnen voraussetzte, wurde vom Inspekteur in seiner Ansprache vor versammeltem Bataillon lobend anerkannt.

Am 1. April 1938 hielt das Bataillon endlich seinen Einzug in die endgültige Unterkunft und bekam zugleich damit die langersehnte Tradition des Sturmbataillon 5 (Rohr) und des Garde-Reserve-Pionier-Regiments (Totenkopf-Pioniere) zugeteilt. "Kaserne Sturmbataillon Rohr" heißt die neue Heimat des Pionier-Lehrbataillon 1.

Aus Anlass des Einzuges des Bataillons in die neue Kaserne, erließ der Inspekteur der Pioniere und Festungen einen Tagesbefehl, in dem es unter anderem hieß:

"Pioniere des Pionier-Lehr und Versuchsbataillons! Ausgezeichnet mit der Tradition des ehemaligen Sturmbataillons Rohr, bezieht Ihr heute Eure endgültige Unterkunft. In seinen infanteristischen Teilen und in seinem Geist aus unserer stolzen schwarzen Waffe hervorgegangen, weisen Lorettohöhe, Vimyhöhe, Hartmannsweiler Kopf, Douaumont und viele andere Stätten der Schlachten des Weltkrieges die Wege der Tapferkeit, des Opfermutes und der Vaterlandsliebe, die dieses sieggewohnte Sturmbataillon kämpfend beschritten hat.

Weiterhin hoffe ich mit der gesamten deutschen Pionierwaffe, dass Ihr das Erbe Eures Traditionsbataillons durch Eure Pflichttreue und Eurem Fleiß und mit stets nach Neuem sinnender schöpferischer Kraft so wahrt und zu neuem Leben erweckt, das Ihr durch Eure Arbeit der deutschen Pionierwaffe die Grundlage schafft, die unsere stolze Waffe auf dem Gefechtsfeld zur unentbehrlichen Kampftruppe erhebt.

gez. Förster"

Das Frühjahr und der Sommer 1938 waren ausgefüllt mit zahlreichen Lehrvorführungen vor der Pionierwaffe und anderen Waffengattungen, wie Infanterie und Luftwaffe, und mit Lehrgängen auf dem Wasser und auf dem "Sturmübungsplatz" im Kampf um MG.-Stände und Bunker. Im Sommer 1938 verließ das Bataillon seinen Standort für vier Wochen, um sich in der Pioniertätigkeit mit dem Rheinstrom bei Vallendar vertraut zu machen. Der viertägige Rückmarsch führte das Bataillon vom Rhein bis in seine Heimat über 18 selbstgeschlagene Kriegsbrücken. Diese Leistung erforderte von jedem einzelnen höchste Anspannung aller Kräfte.

Inzwischen zeigte die entstandene Spannung mit der nun nicht mehr vorhandenen Tschechoslowakei den Weg, den die Sturmausbildung des Bataillons gehen sollte. Es galt – getreu dem Vorbild des Sturmbataillons Rohr – die Ausbildung der Pioniere und anderen Waffen im Angriff gegen Befestigungzonen für den möglichen Ernstfall zu betreiben.

Bei einer Lehrvorführung aller Lehrtruppenteile in Jüterbog, vor dem damaligen Führer und Obersten Befehlshaber Adolf Hitler, zeigten die mit scharfer Sprengmunition gegen Hindernisse und Scharten vorgehenden Pioniersturmgruppen des Bataillons, den alten draufgängerischen Angriffsgeist der Frontpioniere des 1. Weltkrieges.

Viele Angehörige des Bataillons erlebten die spannungsreichen Tage an der Grenze und schließlich den Einmarsch in das Sudetenland, und schlossen damit ihre Dienstzeit mit einem besonderen Erlebnis ab.

Das dritte Ausbildungsjahr hatte begonnen. Kaum war der neue Ersatz eingetroffen, begannen auch schon Lehrgänge und Lehrvorführungen, die dieses Mal in noch schärferem Maße die Anspannung aller Kräfte verlangen sollte.

Galt es doch, außer den Kriegsschullehrern, Generalen und höheren Pionier-Offizieren der Pionierwaffe und Lehrgängen anderer Waffen besonders dem estländischen Inspekteur der Pioniere und der deutschen Presse zu zeigen, wie vielseitig der moderne Pionier ausgebildet ist, wie er eingesetzt wird und dass er seine Hauptaufgabe darin sieht, Bahnbrecher für die anderen Waffen zu sein.

Der Winter 1938/39 war angefüllt mit Lehrgängen und Lehrvorführungen.

Der Sommer 1939, brachte dem Bataillon besondere Erlebnisse, wie die Parade vor dem Führer und Obersten Befehlshaber Adolf Hitler, mehrwöchigen Aufenthalt in der Ostmark und schließlich im Sudetenland.

Immer aber, wo es auch eingesetzt wurde, sollte das Pionier-Lehr-Bataillon zeigen, dass der alte Angriffsgeist des Sturmbataillons Rohr lebendig bleibt, dessen Pflege seine vornehmste Aufgabe sein sollte.


Detlef Güth


Quelle: Zahn, Hauptmann beim Stab des Pionier-Lehrbataillons 1 von 1939